Wie alles begann

Heute ist der Geburtstag meiner besten Freundin und heute vor genau einem Monat habe ich erfahren, dass ich Krebs habe. Verrückt wie nah Glück und Traurigkeit beieinander liegen, denn obwohl es tief in mir sticht vor Angst und Trauer, bin ich sehr glücklich. Zum ersten Mal seit langem, vielleicht sogar in meinem Leben, wird mir bewusst, dass ich wirklich alles habe - alles bis auf die klitzekleine Sache - die Gewissheit, weiter zu leben und alt zu werden.

Die kleinen Zipperlein

Wer mich kennt, der weiß, dass ich schon immer meine Wehwehchen habe: Mal tut der Bauch weh, mal schmerzt der Rücken, nach dem Laufen hab ich Knie-Aua, im Winter nerven Ischias und Wadenkrämpfe…

Es ist also nichts Neues nach dem anstrengenden Umzug und dem nicht enden wollenden Küchenbau, dass der Rücken streikt und schmerzhaft sticht. Ein Spritzchen hier und Physiotherapie da, kuschelig warme Fango-Packungen bei 30 Grad im Schatten werden`s schon richten. Und das Stechen in der Brust? Sicher kommt`s von der Verspannung… Doch was, wenn es nach zwei Monaten nicht besser wird, das Stechen stärker und immer diese Müdigkeit…? Vielleicht kommt es von meiner chronischen Darmgeschichte (Morbus Crohn), denke ich.

Und wenn da doch was ist?

Im Büro schon zum Hypochonder abgestempelt, gehe ich am Montag, den 24. August 2009 noch einmal zum Hausarzt. Beim Abhören ist unten rechts kein Lungenton zu vernehmen, also gibt’s eine Überweisung zum Lunge röntgen. Außerdem soll sich endlich mal wieder ein Darmspezialist meinem chronischen Leiden annehmen.
Dazu gehe ich gleich Dienstag vor der Arbeit in die Praxisklinik am Johannisplatz. Hier ist vom Radiologen bis Gastroenterologen jede Fachrichtung vertreten. Die Blutwerte sind eigentlich OK, ein Entzündungswert ist leicht erhöht. Nichts Neues für mich, aber eine baldige Darmspiegelung soll mehr Aufschluss bringen. Mist, ich hasse Darmspiegelungen. Jeder, der einmal dieses scheußliche Vanille-Abführzeug literweise in sich reinkippen musste, weiß, wovon ich rede. Kurz darauf sitze ich im nächsten Wartezimmer, beobachte das langwierige Prozedere beim Röntgen und als ich endlich dran bin, sage ich auch noch zur Röntgentante: „Wenn Sie da aber was finden, dauert dass nicht etwa ne ganze Woche, bis der Befund beim Hausarzt ist, oder?“ Hätte ich bloß nicht gefragt… Eine halbe Stunde später erklärt mir die Radiologin, dass ich Schatten auf der Lunge habe und schickt mich direkt zur Lungen-CT (Computertomographie). Ich denke noch lange an nichts Schlimmes, bin aber jetzt schon genervt von der ganzen Warterei. Das Kontrastmittel fließt in mich hinein und mir wird heiß, ich habe das Gefühl, einzumachen. Zum Glück ist es bloß ein Gefühl und nichts weiter. Die Röhre brummt vor sich hin.

Gottverdammt was ist hier los?

Anschließend muss ich zum Ultraschall. Langsam wird mir mulmig im Bauch und ein unwohles Gefühl macht sich breit. Die Ärztin erzählt etwas von Herden in meiner Lunge. Was sind denn Herde? Das sind Veränderungen. Achso. Und was gottverdammt sind Veränderungen? Jetzt habe ich Angst. Ich soll noch einmal zur CT Abdomen, muss aber erst einen Liter Wasser trinken und zwei Stunden warten. Ich laufe auf die Straße, um die Parkuhr zu verlängern, habe kein Kleingeld, der lächelnde Vietnamese am Eck will nicht wechseln, ich beschließe hier niemals Chinapfanne zu essen und schleppe mich erschöpft ins Wartezimmer zurück. Ich rufe meinen Freund an, versuche ruhig zu bleiben, damit er meine Panik nicht wittert. Ich bitte ihn, im Büro Bescheid zu geben, dass ich heute nicht mehr zur Arbeit komme und darum, zu mir in die Klinik zu kommen. Das Verbotsschild für Handies bemerke ich erst danach, der grimmige Gesichtsausdruck einer vorbeigehenden Schwester deutet darauf hin.
Ich bin bei der CT Abdomen, jetzt weiß ich, dass damit der Bauchraum gemeint ist. Mehrere Ärzte stehen hinter der Glasscheibe und diskutieren, über das, was sie sehen. Was passiert hier? Wieso sagen die mir nichts? Wieso merken die nicht einmal, dass ich schluchzend in der Röhre liege? Ich ziehe mich an, soll jetzt zur Mammographie. In der Umkleidekabine hängen Plakate vom Brust abtasten und von der Deutschen Krebshilfe. Ich habe Panik. Ich fühle mich wie im falschen Film als meine kleinen straffen Brüste wie Zitzen einer Milchkuh in alle Richtungen gezerrt werden. Kurz danach vernehme ich, dass hier - Gott sei Dank - alles in Ordnung ist und zum ersten Mal an diesem Tag bin ich erleichtert.
Mein Freund Tobias empfängt mich mit einer Umarmung im Wartezimmer. Ich bin so froh, nicht mehr allein zu sein. Noch einmal muss ich zum Ultraschall, wieder wird ein zweiter Arzt hinzugezogen und ich verstehe nur Bahnhof. Zum Abschluss dieses schrecklichen und furchtbar langen Untersuchungstages erklärt uns die Radiologin, dass Herde in Lunge und Leber sowie eine Verdickung im Darm gesehen wurden und ich Wasser in der Lunge habe. Um abzuklären, ob die Hauptursache vom Darm kommt, wird die Darmspiegelung auf nächsten Montag vorverlegt. Dann wird man weitersehen.
Wir verlassen um 16 Uhr die Klinik, kaufen zweimal Chinapfanne beim lächelnden Vietnamesen am Eck und fahren nach Hause. Noch immer haben wir nichts begriffen und reden uns alles schön. Soll ich aber fünf Tage gar nichts tun, weiterarbeiten, mit Wasser in der Lunge? Und was hat die Lunge denn mit dem Darm zu tun? Heißt es nicht immer in den Arztserien: Wir tun alles, was in unserer Macht steht? Ist das also schon alles? Damit will ich mich nicht zufrieden geben.

Die neue Realität

Am Morgen darauf gehe ich wieder zum Hausarzt. Seit kurzem betreut mich eine nette Assistenzärztin ausländischen Ursprungs. Ich tippe auf Russisch, obwohl der Nachname eher auf Norwegisch schließen lässt. Fassungslos liest sie den Abschlussbericht des Vortages, den sie per Fax angefordert hat. Hier stehen Dinge wie zwei Zentimeter große, tumoröse Veränderung, Pleurametastasen mit Pleuraerguss, unklare metastasensuspekte Leberläsionen… Diese Worte kann man sich nicht schön reden. Erstmals erkenne ich die neue Realität und kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich habe Schweineangst und will keine fünf Tage Däumchen drehend auf die Darmspiegelung warten, sondern schnellstmöglich die Zeit für weitere Untersuchungen nutzen. Meine Ärztin ist der gleichen Meinung und nach einem Telefonat mit meinem neuen Gastroenterologen (Darmarzt), der mir ja gleich unsympathisch war, cancelt sie die ambulante Darmspiegelung. Sie organisiert meine Einweisung für den nächsten Tag in die Robert- Koch- Klinik, die Spezial-Lungen-Klinik in Leipzig.

Und was nun?

Ich versuche die Nerven zu behalten, fahre ins Büro, beende noch schnell einige Aufgaben, übergebe meine Projekte an Mitarbeiter und rede mit meinem Chef über die Neuigkeiten des Tages. Indes ruft Tobias an, will genaueres vom Hausarzt wissen. Ich will, aber kann ihn nicht anlügen und natürlich ist er fassungslos. Ich fahre heim, wir beschließen den restlichen freien Tag so schön wie möglich zu verbringen. Aber Shopping und Kaffee trinken machen heute einfach keinen Spaß, meine Brust schmerzt, ich bin krank, also fühle ich mich auch so und verdammt schlapp. Ich rufe meine Mutter, meinen Bruder und meine beste Freundin an, verschweige Ihnen aber Wörter wie Tumor und Metastasen. Das habe ich von den Ärzten gelernt. Da gibt es halt Wasser in der Lunge und Veränderungen, denen auf den Grund gegangen werden muss. Ich packe meine Sachen fürs Krankenhaus und Tobias gibt sich alle Mühe, mir Mut zu machen und mich zu trösten. Ich bin so froh, dass er da ist. Denn obwohl ich furchtbare Angst habe, fühle ich mich nicht allein. Am Ende dieses unwirklichen Tages schlafe ich doch noch ein, mit dem Wunsch aufzuwachen und alles nur geträumt zu haben.

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